Die Franzosen sind höflich, aber auf ihre Art. Viele Missverständnisse zwischen Deutschen und Franzosen entstehen nicht durch die Sprache, sondern durch kleine Regeln, die keiner erklärt. Hier die wichtigsten.
„Bonjour“ ist kein Gruß, sondern eine Eintrittskarte
Wer in eine Bäckerei, eine Apotheke oder ein Büro kommt, sagt zuerst „Bonjour“, am besten mit „Madame“ oder „Monsieur“. Erst dann folgt das Anliegen. Wer gleich mit der Frage beginnt, wirkt unhöflich und bekommt oft einen kühlen Empfang. Ab dem frühen Abend sagt man „Bonsoir“, beim Gehen „Bonne journée“ oder „Bonne soirée“.
Tu oder vous?
- Im Zweifel immer „vous“ – bei Nachbarn, Handwerkern, in Geschäften, bei Behörden, beim Notar
- Das „tu“ bietet meist die ältere oder ranghöhere Person an, oft mit „On peut se tutoyer ?“
- Unter jüngeren Leuten, im Sportverein oder unter Eltern an der Schule geht das „tu“ schneller als in Deutschland
- Kinder werden geduzt, Hunde sowieso
Bise oder Händedruck?
Im Geschäftsleben und beim ersten Kennenlernen gibt man sich die Hand. Unter Bekannten und Nachbarn, die man öfter sieht, gibt es die bise, angedeutete Wangenküsse. In den Alpes-Maritimes sind es meist zwei, in manchen Gegenden der Provence drei. Lassen Sie sich führen.
Titel und Anreden
- Notare und Anwälte spricht man mit „Maître“ an
- Ärzte mit „Docteur“
- Der Bürgermeister ist „Monsieur le Maire“ bzw. „Madame le Maire“
- Formelle E-Mails beginnen mit „Madame, Monsieur,“ und enden deutlich ausführlicher als bei uns, z. B. mit „Je vous prie d'agréer, Madame, Monsieur, l'expression de mes salutations distinguées“. Unter Bekannten reicht „Bien cordialement“
Essen, Zeit und Einladungen
- Mittagspause ist heilig. Zwischen 12 und 14 Uhr sind viele Geschäfte, mairies und Handwerker nicht erreichbar
- Zum Apéro eingeladen? Bringen Sie eine Kleinigkeit mit, etwa eine Flasche Wein, Blumen oder etwas aus Deutschland. Und rechnen Sie damit, dass es länger dauert als geplant
- Pünktlichkeit: Bei Terminen wird sie erwartet, bei privaten Einladungen gilt ein „quart d'heure de politesse“, eine Viertelstunde später ist höflich
- Rechnung teilen: Getrennt bezahlen ist im Restaurant unüblich. Meist zahlt einer oder man teilt durch die Zahl der Gäste
Mit Nachbarn gut auskommen
- Stellen Sie sich nach dem Einzug kurz vor. Das macht vieles leichter, gerade wenn Sie oft nicht da sind
- Kündigen Sie lautere Arbeiten oder ein Fest vorher an
- Ein Nachbar, der während Ihrer Abwesenheit ein Auge auf das Haus hat, ist Gold wert. Ein kleines Mitbringsel aus Deutschland ist hier gut investiert
Und wenn das Französisch noch holpert: Ein Versuch wird fast immer freundlich aufgenommen, auch mit Akzent und Fehlern.